30. August - Zecken in Zelle

30. August - Zecken in Zelle

30. August - Zecken in Zelle

Mich weck der Specht am frühen Morgen um mir den Himmel zu zeigen, der voller dunkler Wolken hängt. Das ist so nicht geplant gewesen. In 14 Millisekunden die Sachen gepackt und den Weg entlang. Hoffentlich kommt eine Schutzhütte.

Es kommt eine. Es war die kleinste, die ich je in meinem Leben je gesehen habe – man konnte darin nicht stehen – aber immerhin. Nach dreißig Minuten ging der Himmel auf und so ein Gewitter habe ich, glaube ich, noch nie in freier Natur erlebt. Etwas gruselig, aber wunderschön. Durch jedes Astloch in der Decke der Schutzhütte tropft es durch. Durch und durch, denke ich, hat diese Hütte der Praktikant gebaut. Auf einmal scheint wieder die Sonne und ich gehe los. Aber ich komme nicht weit. Eine zweite Gewitterfront zieht über mich hinweg und die Schutzhütte ist hinter mir. Bleibt nur der Hochstand. Lieber Jäger, nimm es mir nicht übel, es war ein Notfall. Ich habe alles hinterlassen, wie ich es vorgefunden habe. Vielleicht sogar ein bisschen besser. Nach einer halben Stunde hört der Regen auf und es geht weiter durch den Wald bis zum Gedenkstein für den großen Waldbrand von 1975. Da kommt - wiederum plötzlich - lieber noch eine dritte Gewitterfront, damit auch wirklich nichts mehr anbrennen kann in diesem Sommer und ich flüchte in ein Wirtshaus, wo ich zwei Tee trinke und warte und mein Telefon auflade. Nun kommt wirklich die Sonne heraus und die Temperaturen klettern im Eiltempo von 17 auf 30 Grad Celsius.

Am Abend, kurz vor Celle, suche ich dann einen Schlafplatz und finde nach langer Suche nur ein feuchtes Plätzchen unter einer Buche, wo ich mein Biwak aufstelle und von Nacktschnecken, Spinnen und Zecken halb aufgefressen werde. Es ist kein Spaß. Außer den 20 Zecken, die ich an diesem Abend von mir absammle, haben, wie sich am nächsten Tag herausstellen soll, noch vier weitere zugebissen.