29. September – nachtwandern nach Wirges

29. September – nachtwandern nach Wirges

29. September – nachtwandern nach Wirges

Um 8 Uhr wache ich auf unter meinen Rotoren und lasse mir Zeit beim Aufstehen und Packen. Morgens ist es inzwischen recht kühl. Aber auch heute ist der Himmel blau und ich starte um 10 Uhr, um ganz bald schon wieder Pause zu machen. Ein Campingplatz naht und ich frage, ob ich Waschmaschine und Trockner nutzen darf. Waschsalons sind rar geworden in Deutschland und auch Hostels, Hotels, Pensionen und Jugendherbergen bieten diesen Service nur selten an. Aus dieser Sicht ist Deutschland ein Horror für Backpacker.
Ich darf waschen und trocknen für 5,50 €. Ich trinke Tee im Camping-Café.
Der Campingplatz liegt idyllisch am Dreifelder Weiher an der Westerwälder Seenplatte, von der ich nicht wusste, dass sie existiert. Der Chef, der mich persönlich in die Nutzung der Maschinen einweist ist wenig beeindruckt von meiner Wanderung. Ja, da kommen immer mal wieder welche vorbei.
Der Europäische Fernwanderweg E1 liegt auch direkt am See. Nur der Westerwaldsteig führt leider nicht hier vorbei, sondern dreihundert Meter von hier entfernt, sagt er, aber die Politiker wollen ihn nicht hierher umlegen, obwohl man schon beratschlagt hat, wie man mehr Gastronomie an den Westerwaldsteig bringt. Naja. Politiker.

Während meine Wäsche läuft, schickt mir ein Freund Bilder seines letzten Werkes im Einsatz. Er baut Zelte und hatte welche auf einer Willkommensfeier für Flüchtlinge in Berlin aufgebaut. Schön!

Als die Wäsche fertig getrocknet ist, geht’s weiter am Dreifelder Weiher, an einem Hotel “Seeblick” vorbei, das besser “ganz knapp kein Seeblick” heißen müsste, weiter an Brinken-, Post- und Hausweiher entlang, dann nach einer Weile an Selters (Westerwald) vorbei. Ein Freund ruft an, wir quatschen übers Wandern, vom Singen, vom Arbeiten.
Es wird dämmrig als ich an Wirges vorbei gehen will, da merke ich, dass hier der Weg umgelegt wurde. Er geht nun durch Wirges hindurch. Ich denke “Ja, nun, was soll sein?” und folge dem Weg, wie er jetzt ist, habe müde Knochen und Füße und brauche eigentlich dringend einen Schlafplatz. Der Weg führt hinter Wirges wieder in einen Wald, der so voll von mannshohem Unterholz ist, dass er zum Schlafen nicht taugt. Inzwischen ist es dunkel und ich fange an trotzdem mein Zelt aufzubauen, direkt neben einem Wanderweg, da fährt ein Auto an mir vorbei. Jäger!, denke ich und baue wieder ab und gehe weiter, komme durch das Örtchen Staudt, bin müde und fertig.

Der nächste Wald ist feucht, voll Unterholz und besteht fast nur aus steilen Hängen. Es ist inzwischen schon  gut nach 21 Uhr und stockdunkel. Ich muss schlafen! Ich suche und suche, komme ab vom Weg und finde endlich ein Plätzchen für mein Zelt. Ich schlafe erst nach 23 Uhr, dann aber tief, fest und gut, wenn auch sehr einsehbar für morgendliche Spaziergänger.