26. September – abgefüllt bis Herdorf

26. September – abgefüllt bis Herdorf

26. September – abgefüllt bis Herdorf

Ich stehe zeitig auf, esse mein selbst mitgebrachtes Brot, rasiere mich, gehe einkaufen und dann rauf den Berg. Oberhalb von Siegen ist ein riesiges Gelände, dass mit Hilfe von arbeitslosen Jugendlichen umgearbeitet wird, sozial, handwerklich, künstlerisch, naturbezogen. SchönundGut heißt das Projekt und es sieht vielversprechend aus. Es geht darum, dass die Jugendlichen herausfinden, was sie im Leben machen wollen und worin ihre Stärken liegen. Ich gehe weiter und finde den Wanderweg hier oben ersteinmal recht langweilig. Ich kreuze die A45 in einem riesigen Fußgängertunnel und muss bald runter nach Oberschelden, dann wieder rauf, rund um den Giebelberg und dann kilometerweit nach unten, immer nur nach unten bis Freusburg. Meine Knie! Und dann sofort wieder steil nach oben. Eine nette Frau hält an und fragt, ob sie mich ein Stückchen mitnehmen kann. Das geht natürlich nicht. Ich muss das ja zu Fuß gehen. Sie versteht nicht so recht, aber muss weiter, da ein Auto von hinten kommt. Hoch geht’s zur Burg und dann gleich wieder nach unten, wo man an einer alten Mühle vorbei kommt, die heute Strom erzeugt. Famos!

Als ich in Kirchen angekommen bin, brauche ich eine Pause und hätte sehr gern einen heißen Tee. Aber hier auf dem Weg, an dem ich laufe, ist kein Café eingezeichnet, nur unten im Dorf. Schon wieder runter gehen? Ich entscheide mich dafür und komme am Kuchenschlösschen an, wo leider geschlossene Gesellschaft ist. Kurz bin ich genervt, aber es gibt draußen Plätze und es ist nicht sehr kalt heute, sodass ich mich setze. Ich hätte ohnehin nicht wirklich weiter gekonnt. Ich bestelle einen Tee und eine Herrentorte. Torten und Kuchen gab es übrigens etwa 30 verschiedene zur Auswahl. Und meine Wahl war ganz außerordentlich. Ich hätte mich noch weiter durchprobiert, wenn ich nicht mit dem Chef ins Gespräch gekommen wäre. Morgen früh um 9, sage ich ihm, ist Bergfest, dann ist die Hälfte meiner Zeit rum. Und er lädt mich zur Feier des Tages ein. Auf eine riesige Portion Kartoffelsalat und Braten mit herrlicher Füllung. Ich bin pappsatt, bedanke mich tausendmal und versichere ihm den Laden zu empfehlen. Es war wirklich ganz außerordentlich.

Nachdem ich wieder oben an meinem Weg angelangt bin, gehe ich noch ungefähr einen Kilometer und es kommt eine Wirtschaft. Hätte ich das gewusst, dann wäre ich niemals da runter gegangen. Hätte aber was verpasst. Hätte es aber nicht gewusst. Wäre ich einfach weiter gegangen, hätte ich mich über diese Wirtschaft sehr gefreut und mir auf die Schulter geklopft, dass ich nicht runter gegangen bin. Ich konnte nur gewinnen an dieser Wegkreuzung und als ich dort stand, dachte ich, ich könnte wahrscheinlich nur verlieren.

Nach Herkersdorf geht mein Weg an einem scheußlich-kitschigen Kreuzweg entlang zum Druidenstein, einer sehr außergewöhlichen Felsformation, die auch mit einem Kreuz bestückt worden ist. Mir fallen Herbert Feuersteins Worte ein: “Religion ist doch das schrecklichste überhaupt.” Auch, wenn es so nicht stimmt.

Einsam gehe ich weiter durch den Wald bis kurz vor Herdorf. Als ich noch in der Heide war habe ich gern von 18 – 19 Uhr Pause gemacht und bin dann noch ein paar Kilometer gelaufen. Nun muss ich um spätestens 19:30 Uhr einen Schlafplatz gefunden haben, wenn ich nicht im Dunkeln mein Zelt aufbauen will. Ab 20 Uhr ist Nacht.