25. September – verlieren in Siegen

25. September – verlieren in Siegen

25. September – verlieren in Siegen

Mein Zelt ist von außen unheimlich voll von Insekten, deren Entfernung einige Mühe und Zeit kostet. Alles ist feucht und riecht nach Waldwanzen. Ich versuche soll schnell wie möglich (natürlich immer auf dem E1) nach Siegen zu kommen. Man hat beim Einwandern einen hervorragenden Blick über die Stadt und muss dann ganz schön steil nach unten laufen. Das geht mir massiv auf die Knie, sodass ich immer wieder einfach Stehpausen mache. Der Weg führt mich durch Parks und an alten Kirchen vorbei bis in die Innenstadt, die scheinbar komplett saniert wird. Erstmal esse ich was und suche mir dann das Internetcafé, dass ich bereits vorher herausgesucht hatte.
Dort angekommen gibt es leider keinen Verkäufer “Chef ist weg, ist oben in der Moschee, beten.” Heute ist Freitag. Hmm, naja, wann kommt er denn wieder? “Wenn er fertig ist mit beten.” Aha. Ich warte also 20 Minuten und lasse mir dann eine Maschine geben. Die Maus ist nahezu unbenutzbar, aber es gibt keinen Ersatz. Als dann das Internet im Internetcafé (!) ausfällt, sagt mir niemand Bescheid. Ich schreibe seelenruhig meine Artikel zu Ende, die ich dann nicht speichern kann. Ich rege mich kurz auf, merke aber, dass ich auch gegen eine Wand reden könnte, zahle und gehe. Ich muss noch zur Post und dann ein neues Internetcafé finden. Und ich muss mal. Bei C&A gibt’s Klos. Die Post ist noch einen Kilometer weiter, dann muss ich den ganzen Weg zurück und muss in einer Spielhalle an einer Internetmaschine die ganzen Texte noch mal schreiben. Aber hej, was ist das? Irgendwie bekomme ich keinen Zugriff auf meinen USB-Stick und die Bilder darauf. Ja, das haben wir deaktiviert, wegen so viel Missbrauch und den Schmuddelseiten. WEGEN WAS? möchte ich schreien, aber habe keine Lust wieder gegen eine Wand zu reden. Es ist 20 Uhr und draußen ist es stockdunkel. Ich wandere nirgends mehr hin.

Ich brauche eine Bleibe und finde ein “Hotel”, das etwas außerhalb der Innenstadt liegt und bekomme ein nicht eingerichtetes Zimmer in der Privatwohnung einer griechischen Großfamilie: eine Bettcouch, ein Stuhl, ein Tisch, ein Fernseher. Es gibt kein Frühstück, dafür ist es dann wirklich sehr teuer. Aber ich schlafe gut.