22. September – Mit Büffeln nach Bad Berleburg

22. September – Mit Büffeln nach Bad Berleburg

22. September – Mit Büffeln nach Bad Berleburg

Ich stehe früh auf, denn ich will früh in Bad Berleburg sein. Dort habe ich einiges zu erledigen und treffe dann meinen Bruder Felix. Ich brauche einen neuen Rucksack, da sich meiner in seine Einzelteile zerlegt und ich keine Zeit habe einen Sattler zu finden und auf seine Arbeit zu warten. Ich muss weiter und werde mein gutes altes Stück nach Hause schicken.

Unglücklicherweise regnet es bereits kurz nachdem ich das Zelt abgebaut habe. Ich trage Regenjacke und -hose und habe meinem Rucksack den Poncho übergeworfen. Ich laufe bis ins kleine Mini-Örtchen Schanze und esse dort Pflaumenkuchen aus Frust.

Es ist zusätzlich so neblig, dass man kaum etwas sehen kann. Hier oben, ich bin übrigens seit zwei Tagen im Rothaargebirge, gibt es einen Skulpturenwanderweg mit etwa 20 Groß-Skulpturen, die im Nebel einen ganz eigenen Charme entwickeln. Eine Gruppe von Wanderern kommt vorbei, um sich hier den “Pfad der Sinne” anzuschauen und ich werde zum x-ten Mal – diesmal von einer älteren Frau – gefragt, ob ich am Pilgern bin. Innerlich verdrehen sich mir die Augen und ich sage etwas von oben herab: “Nein, ich bin Atheist. Ich wandere aus Freude.” Das Eis ist gebrochen. Ich auch, sagt die Alte unerwartet und unerwartet laut und freut sich. Sie grüßt und drückt mich noch ein paar Mal und wünscht mir eine gute Reise.

Seit Schanze geht es nicht sehr bergab oder bergauf, aber anstrengend ist es trotzdem mit all dem Wasser.

Plötzlich höre ich Traben neben mir. Wildschweine! Endlich! Sie haben mich im Nebel nicht wittern können und nun müssen sie meinen Weg kreuzen. Ich stelle mich hin und warte, aber die Wildschweine, die ja immer viel größer sind, als man so denkt, überlegen es sich anders, empfinden sich als in die Falle gelaufen und drehen um. Ich warte und denke “Manmanman!, die sind echt viel größer als man so denkt.” Und als ich die Hörner auf dem Kopf entdecke, merke ich, dass hier etwas nicht stimmt. Ich gehe langsam rückwärts und beginne Lärm zu machen und schreie. Dann überquert die Büffelherde, die aus etwa 12 Tieren besteht meinen Weg und verschwindet im Nebel. Alter! Mein Herz rast. Ich gehe etwa 800 Meter weiter und rufe die Polizei an. Der Beamte am Apparat ist etwas ungläubig, sichert aber zu, sich umzuhören.

Weiter geht’s durch den Regen und an Skulpturen vorbei, von denen eine ein riesiges grünes Haus ist, dass man als Schutzhütte nutzen kann. Die einzige Schutzhütte am Weg, die ich gerne nutze.

Um etwa 14:30 Uhr komme ich in der Unterkunft in Bad Berleburg an, die auch gleichzeitig ein Reha-Zentrum ist für Lymphdrüsen-irgendwas. Wohnen in der Klinik, aber in einem separaten Gebäude. Alles ziemlich schick. In einer Broschüre lese ich, dass hier im Rothaargebirge eine Herde Wisente lebt, was einzigartig in Europa ist, dass man diese aber nie trifft, weil es eben nur eine Herde gibt und die Tiere sehr, sehr scheu sind. Krass. Also keine Büffel. Glück gehabt, denke ich nun auf einmal. Ich gehe mich duschen und umziehen und dann runter in die Stadt, um mit den inkompetentesten Outdoor-Fachkräften Deutschlands einen Rucksack für mich auszusuchen. Zum Glück ist das Angebot sehr begrenzt und mein Budget auch, sodass wir gar nicht lange ins Diskutieren kommen können. Meinen alten Rucksack schicke ich nach Hause und hole dann meinen Bruder von der Bahn ab. Ein winziger Bahnhof, der zum Glück überhaupt noch benutzt wird. Felix muss auch noch mal zur Post, hatte gerade auf der Bahnfahrt noch etwas Arbeit erledigt und schickt diese nun per Post nach Hause.

Wir bringen sene Sachen in die Herberge und schauen uns nach einem Restaurant um. Rechts gibt es nur einen Eisladen (mit Eis togo) und links viel Leerstand, aber auch das Schloss Wittgenstein und ein dazugehöriges Restaurant, das uns Bratwurst, Steaks, Bratkartoffeln, Rotkohl und Salat serviert.

Zurück im Hotel gehen wir in die Sauna, die sich im Keller der Klinik befindet. Nicht lange, denn ich bin hundemüde.