21. September – schwarzweiß bis Oberkirchen

21. September – schwarzweiß bis Oberkirchen

21. September – schwarzweiß bis Oberkirchen

Ich dusche noch mal – sicher ist sicher – und gehe los. Steil rauf den Berg und steil wieder runter nach Silbach, das nicht etwa am Silbach liegt, sondern am Fluß mit dem Namen “Namenlose”. Von dort geht’s wieder steil rauf den Berg.

Auch hier im Wald sieht man immer wieder, wie auch schon in den letzten Wochen, viele Spuren von Wildschweinen. Aber die Wildschweine sieht man nie. Man hört sie auch nie. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Wildschweine sehr gut riechen und hören können und es auch evolutionär ausgenutzt haben, dass sie menschlichem Geruch und Lärm ausweichen. Ich würd gern mal welche sehn auf dieser Reise.

Viele Waldlehrpfade halten mich auf, da es viel Interessantes zu lesen gibt. An einer Stelle wird z. B. mit der extrem hohen Individuendichte angegeben. Hier möchte ich also nicht zelten.

Ich streife die Ausläufer von Winterberg, das wiederum ein Ski-Touristen-Städtchen ist und muss noch mal ordentlich nach oben, um auf den Kahlen Asten zu kommen, den höchsten Gipfel hier in der Gegend, auf dem schon wieder Hochheide anzutreffen ist. Und viele Touristen. Außerdem ein Museum, ein Restaurant, ein Café mit Selbstbedienung, eine Außestelle einer Universität und ein Turm, den man besteigen kann, der aber nicht der Turm ist, der hier ursprünglich mal stand und schön war. Im Café trinke ich einen Tee und schreibe ein wenig und lade mein Telefon auf.

Der Weg, der mich ab jetzt nach Südwesten führt, ist plötzlich menschenleer und schön. Wunderbare Ausblicke erwarten mich, der Weg bleibt mehr oder weniger auf einer Höhe oder geht langsam bergab und der erste Ahorn mit knallroten Blättern taucht am Horizont auf. Der Herbst kommt irgendwann. Übermorgen um genau zu sein. Der Ahorn steht am Hohen Knochen direkt gegenüber von einem fast urigen 50er-Jahre Hotel, das hier fast ganz alleine steht. Auf dem Balkon sitzt ein Pärchen, der Mann, der aussieht wie Roger Willemsen, grüßt mich und ich grüße zurück: Hervorragende Aussicht haben Sie sich da ausgesucht!” Roger nickt und grinst und liest weiter Zeitung. Ob er es wohl war? Könnte ja passen. “Die Enden der Welt”, denke ich heimlich.

Nach einer Weile komme ich durch Westfeld, wo jedes Gebäude gleich aussieht. Schwarzes Fachwerk, weißes Haus. Die alten Häuser, wie die neuen Häuser. Bei einem Neubau konnte ich beobachten, dass OSB-Platten um ein Betonhaus geschraubt werden, die dann mit Fachwerk-Holz umbaut werden. Die Zwischenräume werden dann aufgefüllt. Es ist aber durchaus irgendwie hübsch. Aber wenig abwechslungsreich. Ebenso sieht dann auch Oberkirchen aus, durch das ich durcheile, da die Nacht herein bricht und ich keinen Schlafplatz habe.

Im bereits stockdunklen Wald finde ich mit der Taschenlampe einen guten Platz für mein Zelt zwischen Fichten. Beim Aufbau kommt mir ein Wildschwein nahe, das ich zwar höre aber trotz Taschenlampe nicht sehen kann. Mist.