19. September – Schäfer vor Schweinsbühl

19. September – Schäfer vor Schweinsbühl

19. September – Schäfer vor Schweinsbühl

Zum guten Morgen nehme ich zunächst den falschen Weg, der über etwa einen Kilometer steil nach unten führt. So ein Mist. Also den Weg steil nach oben zurück und weiter auf dem E1, der auf einer gleichbleibenden Höhe mit schönem Ausblick zunächst am Diemeltal entlang geht. In Giershagen kaufe ich ein und mache Pause. Auch hier in Giershagen ist man – wie in der ganzen Gegend – ziemlich stolz auf seine Bergbauvergangenheit und lässt dies ziemlich raushängen. Monumente, Denkmäler, Tafeln etc. Was ist geblieben?

Von da geht es vorbei an mächtigen Windkraftparks. Und es fängt an zu regnen. Ich werde nass und freue mich in Adorf ein Stündchen in der Bushaltestelle zu verbringen, denn der Regen wird immer heftiger. Wieder sitze ich direkt neben einem Bergbaudenkmal.
Es hört auf zu regnen und direkt hinter Adorf sehe ich, als Diplom-Geologe, schon von weitem den Estwing am Gürtel von zwei Personen im Gelände baumeln.

Ein Estwing ist eine Geologenhammer-Marke. Ja, es gibt extra Geologen-Hämmer und es gibt extra Marken, die solche Hämmer herstellen.

Die beiden Geologen entpuppen sich als wenig motivierte, dafür sehr hübsche Studentinnen auf ihrer zweiten Kartierungsübung. Sie genießen den Plausch mit mir und ich genieße auch. Als ich mich für sie freue, dass sie noch eine ganze Woche kartieren dürfen schauen sie mich mit großen Augen an. Eigentlich hätten sie gar keine Lust mehr, sagen sie. Nagut. Ich verabschiede mich und ziehe weiter.

Nach einer ganzen Weile treffe ich einen Schäfer und eine Schäferin mit Herde und zwei Hunden. Es ist sehr spannend. Sie erklären mir wie die Hunde “arbeiten”. Der eine ist noch in der “Ausbildung”, der andere hat schon “ausgelernt”. Am Ende mache ich ein Foto von dem Schäfer in Arbeitskluft, dass ich ihm schicken muss. Versprochen.

Ich bin kurz vor Schweinsbühl, meinem Ziel, wo ich mir ein Zimmer nehmen will, da es schon wieder regnet. Es ist schon dämmrig, als ich am Gasthof ankomme. Dieser hat geschlossen. Urlaub. Ausgerechnet in dieser Woche. Und die Besitzerin der zweiten Pension im Dorf ist auch bis morgen verreist. Verdammt.
Eine Anwohnerin, mit der ich ins Gespräch komme, will mich ins übernächste Dorf fahren, dort gäbe es eine Pension. FAHREN?!? Dann muss ich ja morgen zurück laufen, denke ich, will aber ihr Angebot aus Freundlichkeit nicht ausschlagen.
Glücklicherweise hat diese Pension dann auch kein Zimmer mehr frei und die Frau, die begeistert ist, dass ich aus Hamburg komme, weil sie Hamburg so mag, bietet mir an, in ihrer Scheune zu schlafen. In Schweinsbühl. Das ist mir sehr recht. Es ist umsonst, trocken und ich kann alle meine klammen Sachen an die alten Balken hängen, um sie zu trocknen. Läuft. Tausend Dank! Und gute Nacht!