18. September – Marsbergblick

18. September – Marsbergblick

18. September – Marsbergblick

Am Morgen ist es verwunschen nebelig. Der Fichtenwald sieht verzaubert aus, vor allem da hin und wieder ein Sonnenstrahl durch den Nebel schießt.
Der Weg ist gemütlich und geht durch schöne Wälder und viel bergab, an einem riesigen “Insektenhotel” vorbei, das mich an Bilder von Menschen-Hotelburgen erinnert. Kurios. An der Wüstung Blankenrode und ihrem ehemaligen Brunnen geht es runter ins heutige Blankenrode, wo ich auf zwei geschlossene Cafe + Restaurant + Pension -en stoße. Bei der zweiten lasse ich den Hund so lange anschlagen bis jemand kommt. Die Besitzerin und Wirtin lässt mich herein und serviert mir gerne einen Tee. “Ich hab tagsüber die Tür zu, wenn ich oben bin”, sagt sie. Komisches Geschäftsmodell, denke ich. Scheint hier üblich zu sein. Sie erzählt von ihren unangenehmen Gästen, die schon lange da sind und noch lange bleiben. “Die machen hier die Windräder.” “Wenn ich für die auch noch kochen müsste, ich würd umziehen.” “Wo die ihre Handtücher liegen lassen, das glauben Sie nicht.” Alles mit westphälischem Akzent und ich als alter Norddeutscher denke, dass es hier wohl nun losgeht, dass man ungefragt vollgequatscht wird. Und dann, dass es bereits in Bad Driburg solche Tendenzen gegeben hat (siehe Schuhgeschäft).
Die Frau ist aber sehr, sehr nett und hat im Garten ein hübsches Steinbeet aus Wanderschuhen angelegt.
Als ich gehe gibt sie mir noch mit auf den Weg, dass es ab jetzt bis Marsberg quasi nur noch bergab ginge.
Es geht erstmal quasi nur noch bergauf.

Ich streife ein kurioses Naturschutzgebiet. Hier wurden früher Bleierze abgebaut und nun wächst hier ein ganz seltenes Gras, das das Blei abkann.

In Marsberg gehe ich sofort rauf nach Obermarsberg, zum Turm, zu den Höhlen, zur Kirche.
Es gibt viel zu sehen und auf Schautafeln zu lesen. Viele Legenden ranken sich um den Berg hier. So soll z. B. Siegfried (auch) hier den Drachen getötet und den Zwerg Alberich bezwungen haben.
Obermarsberg ist fast übermäßig pittoresque, sodass ich mich dort länger aufhalte als geplant. Die Dämmerung holt mich ein.

Auf einer gerade ungenutzten Kuhweide mit herrlichem Marsbergblick baue ich mein Zelt auf, esse zu Abend, telefoniere noch kurz mit Freunden und schlafe bald.