17. September – Doppeltgemoppelt an Willebadessen vorbei

17. September – Doppeltgemoppelt an Willebadessen vorbei

17. September – Doppeltgemoppelt an Willebadessen vorbei

Zum Frühstück gibt es wenig Auswahl, dafür ist es gut und reichlich. Die Besitzerin kennt von jedem im Raum eine kleine Geschichte und führt kurze, belanglose Gespräche darüber in dem sonst komplett stillen Frühstücksraum. Sie versucht den fehlenden Esprit des Etablissements auszugleichen, was ihr leider mehr als misslingt.

Im Hausflur steht eine Waage und ich komme zum ersten Mal dazu mein Gepäck zu wiegen: Mit Proviant und 2 Litern Wasser komme ich auf 22 Kilo. Uff. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ist eigentlich zu viel, aber was soll ich machen…?
Los geht’s!
Vier Tage habe ich gerade pausiert und ich bin bereits hinter der Iburg als mir auffällt, dass ich gerade die Etappe “Altenbeken – Willebadessen” zum zweiten Mal laufe und nicht, wie geplant, mit dem Zug nach Willebadessen gefahren bin, um dort zu starten. Mist. Ich war zu aufgeregt und bin einfach los gelaufen. So verliere ich noch mal quasi einen vollen Tag.

Die Strecke das zweite Mal zu laufen ist merkwürdig. Mir fallen die ersten Laubhaufen unter den von der Miniermotte geplagten Kastanienbäumen auf. Auch einige Farne sind bereits nur noch braun. Und die Buchen haben vereinzelt entfärbte Blätter. Winter is coming, denke ich und lache laut. Aber eigentlich ist noch fast alles grün. Wie lange noch?

Ich rase an Willebadessen vorbei und mache heute kaum Pausen. Eine davon an “Bierbaums Nagel”, einem Aussichtsturm der schon seit 1849 steht. Trotz Schmerzmittel kann ich nur humpeln, schaffe heute aber trotzdem 25 km.
Unter Fichten baue ich zum ersten Mal mein Zelt auf und wie verabredet beginnt es zu regnen als ich gerade eine Minute darin liege. Herrlich! Ich schreibe noch ein paar SMS und schlafe bald.

Nachts habe ich Albträume. Als ich wieder einschlafen will, hält mich das Gebrüll eines Hirsches noch eine Weile wach.