15. September – immer noch gefangen in Bad Driburg

15. September – immer noch gefangen in Bad Driburg

15. September – immer noch gefangen in Bad Driburg

Das Frühstücksbuffet teilen wir uns mit all den Fünft- und Sechst-Klässlern aus Dortmund und lassen uns Zeit. André will gleich weiter und ich bin noch immer gefangen. Mein Fuß tut mehr weh als gestern. Mist! Was ist nur los? Muss ich abbrechen?

Nach dem Frühstück gehen wir für André einkaufen. Bioladen, Rewe, Obststand. Wir quatschen und quatschen über Bildung, Schule, Wandern, Psychologie, Religion, Reisen, Lebensziele, Frauen. Alles ist spannend. Zurück in der Herberge verlängert André seinen Aufenthalt um einen Tag.

André ist 32, kommt gerade aus 2 Jahren Neuseeland – Asien – Australien unglücklich unverliebt zurück, wo er zuletzt Spielplätze baute und geht nun lieber erst mal allein durch Deutschland. Sehr vernünftig.

Wir quatschen und quatschen, gehen noch mal spazieren, kaufen jeder “Herbstgedichte” vom Reclam-Verlag, gehen Kaffee trinken, wo wir in riesigen kunstledernen Ohrensesseln am künstlichen Kamin Torte und Frikadellen verzehren und humpeln wieder zurück in die Jugendherberge, in der sich die Kinder aufgeregt die Hände reiben während sie auf das Popcorn des japanischen Popcorn-Automaten mit der falsch aufgedruckten Deutschland-Flagge warten.

Ich schreibe etwas, während André fastenbricht und wieder anfängt zu rauchen. Unsere Gespräche gingen etwas ins Eingemachte und obwohl wir uns erst höchstens 20 Stunden kennen, haben wir uns schon unsere Geheimnisse, Ängste, Sorgen und Lebenslügen gebeichtet. So etwas passiert selten. Und dann ist es eben vielleicht Zeit für etwas Nikotin.
Wir beschließen die anstrengenden Themen hinter uns zu lassen, lesen uns lieber Herbstgedichte vor und gehen dann Kotelett mit Bratkartoffeln essen im Gasthaus Linde. Guter Laden. Die unecht blonde, gut aussehende mitfünfziger Wirtin Birgit serviert sehr herzlich. Hier, in die Linde, gehen auch die Einheimischen zum Essen.

Wir bleiben nüchtern, gehen bald zurück, André raucht noch schnell eine und ich schlafe ein bevor er den Wikipedia-Artikel zu Vipassana-Meditation fertig vorgelesen hat.