14. September – gefangen in Bad Driburg

14. September – gefangen in Bad Driburg

14. September – gefangen in Bad Driburg

Aufgestanden um viertel vor sechs um rechtzeitig vor Praxiseröffnung beim Orthopäden in Bad Driburg zu sein. Ich fahre Bus und bemerke, dass ich zum ersten Mal seit über drei Wochen Räder unterm Arsch habe. Seltsam. Der Bus ist hauptsächlich Schulbus und der garstige Busfahrer ist Diktator im gesamten großen Bus-Reich. Er bestimmt wer aufstehen muss um älteren Menschen, die nicht darum gebeten haben, einen Platz zu geben und verteilt Strafen an Kinder, die nicht rechtzeitig ihren Fahrschein vorzeigen. Ich fahre bis zum Gymnasium in Bad Driburg und humple zur Praxis. Ich darf bleiben und werde behandelt.
Obwohl auf dem Röntgenbild nichts zu sehen ist, geht der Doktor von einem Ermüdungsbruch im dritten Zeh aus, weiß es aber nicht genau. “Früher auch Marschfraktur genannt.”, sagt er mit Feldwebelton und nennt es fortan nur noch Marschfraktur. Er verschreibt mir Einlagen, die bis übermorgen angefertigt werden können, Schmerztabletten, Magentabletten gegen die Nebenwirkungen der Schmerztabletten und mindestens drei Tage Ruhe. Die Einlagen werden mich 80 Euro Zuzahlung kosten.
Die Jugendherberge hat immerhin für zwei Tage ein Bett.

Dort stelle ich mein Gepäck ab und gehe erstmal in ein Café. Das Wetter ist scheußlich. Düster und Regen. Zum Glück nicht sehr kalt. Drei Rentner neben mir unterhalten sich darüber, dass die Flüchtlinge leider alle faul sind, sodass ich es nicht ertragen kann und mich wegsetze. Am unerträglichsten sind die Deutschen, denke ich, womit ich genauso Unrecht habe wie die drei Rentner.

Ein Internetcafé bietet mir top-Geschwindigkeit und gute Maschinen. Dafür wiederum Windows XP und einen USB 1.1-Hub. Es ist zum Verzweifeln.

Am frühen Abend kehre ich zurück zur Jugendherberge, in der inzwischen eine fünfte und einen sechste Schulklasse eingecheckt haben. Man kann sein eigenes Wort nicht verstehen vor kindlicher Aufregung, sodass mir nur die Flucht in die Therme des Kurortes bleibt. Dort ist es zwar ganz in Ordnung, aber nicht großartig und ich bin schnell wieder draußen. Eine türkische Döner-Pizzaria stillt meinen Hunger und zurück in der Herberge ist André mein Zimmernachbar geworden. Er läuft den Europäischen Fernwanderweg E1 von Süd nach Nord und wir verstehen uns auf Anhieb blendend. Wir erzählen uns gegenseitig was jeweils für den anderen kommen wird und schlafen erst um 1 Uhr nachts.