12. September – kein Orgelkonzert bis Willebadessen

12. September – kein Orgelkonzert bis Willebadessen

12. September – kein Orgelkonzert bis Willebadessen

Ein weiteres riesiges Waldarbeiterfahrzeug weckt mich. Weiter geht’s oben auf dem Grat des Eggegebirges entlang, bis ich auf eine große Truppe Fahrradpilger treffe, die insgesamt vier Tage unterwegs sind. Da sie, da es gerade etwas steiler aufwärts geht, ihre Räder schieben müssen, kommen wir ins Gespräch. Wir haben das gleiche Ziel für den heutigen Abend: Willebadessen, das auch etwa 3 km abseits des E1 im Osten des Höhenzuges liegt. Die Fahrradfahrer haben wieder freie Bahn und laden mich im Losfahren noch zu einem Orgelkonzert im nächsten Ort ein. Darauf freue ich mich, werde aber enttäuscht, denn im nächsten Ort den ich durchquere, gibt es keine Kirche, keine Radfahrer, kein Konzert. Schade. Dafür eine “Erlebnisgastronomie”, die als Erlebnis Minigolf anbietet und wo ich ausgezeichneten Apfelstrudel bekomme und ein sehr feines und kurzweiliges Gespräch mit einem Fahrradclub, etwa acht Männer, die ebenfalls hier Rast machen und – bis auf einen – nicht wissen wo es hingehen soll. So machen sie das immer. Ist spannender. Außerdem sitzen im Restaurantgarten noch drei Herren in meinem Alter, die aussehen wie aus dem Globetrotter-Katalog herausgeschnitten, dazu tragen sie Kameras, wie aus dem Canon-Katalog herausgeschnitten und schauen neidisch auf die Fahrradfahrer und mich, die sich köstlich amüsieren und im Gegensatz zu ihnen absolut unterausgerüstet aussehen.

Ich lade etwas mein Telefon auf und weiter geht’s Richtung Willebadessen. Mein rechter Fuß schmerzt sehr im vorderen Bereich und ich schiebe es auf die Blase am vierten Zeh. Es tut aber wirklich verdammt weh.

Der Weg nach Willebadessen fühlt sich dadurch sehr lang an und ich freue mich sehr als ich in meiner Pension ankomme. Die Pension ist kalt und riecht nach 50 Jahren Zigarettenrauch und Schimmel. Als ich frage, ob es WLAN gibt werde ich schräg angeschaut. Als ich “Internet” hinterherschiebe kommt wie aus der Pistole geschossen “Nein! Und damit wollen wir auch nichts zu tun haben. Wir haben nicht mal einen Computer im Haus!”, als wäre es etwas sehr Gefährliches. Im Hintergrund in ihrer Wohnung dröhnt der Fernseher.
Immerhin: Nach kurzen Hin und Her kann ich sie überzeugen, die Heizung anzumachen, sodass ich das kalte Zimmer heizen kann.

Ein überzeugendes Schnitzel gibt es dann im Hotel am Ort. Im Deutschen Haus.

Gute Nacht.