11. September – ohne Wasser durchs Eggegebirge

11. September – ohne Wasser durchs Eggegebirge

11. September – ohne Wasser durchs Eggegebirge

Am nächsten Tag telefoniere ich mit einem guten Freund, als ich die Externsteine erreiche. Er selbst hat diese vor ein paar Jahren mit zwei gemeinsamen Freunden besucht – damals im Winter – und ist gespannt wie ich reagiere, wenn ich die Sandsteinfelsen sehe. Es ist blendender Sonnenschein und die Externsteine sehen wunderbar aus, wie sie sich über dem kleinen “Oberen Teich” erheben. Hier frühstücke ich und natürlich besichtige ich auch die Felsen, die ich bisher nur mit kitschigen Bildern der Reformbewegung der 20er Jahre des 20igsten Jahrhunderts in Verbindung gebracht habe. Insgesamt bleibe ich etwa 2,5 Stunden an diesem wunderbaren Ort.

Von hier aus startet der Eggeweg, mit dem der Europäische Fernwanderweg E1 parallel läuft, nach Marsberg durchs Eggegebirge. Zunächst führt der Weg durch wunderbar zerklüftete Wege. Viel Sandstein, Kalkstein und kleine, sich schlängelnde Flüsschen. Alles ist tief grün. Und plötzlich, auf einem Gipfel, sieht dann alles wieder so aus wie auf dem Heidschnuckenweg in der Heide: Heidekraut, Heidelbeeren, leichte Hügel. Wenn man nicht in die Ferne schaut und andere Höhenzüge sieht, könnte man leicht getäuscht werden.

Ich befinde mich auf der lippischen Velmerstot und lerne von einer Schautafel, dass hier tatsächlich auch eine Schäferin mit Schafherde umherzieht.

Die Dichte an Gedenksteinen und Wegsteinen ist hier auf dem Weg ungeschlagen. Ein Wegstein lehrt mich, dass es 205 km bis nach Hamburg ist. Luftlinie. Liebe Grüße!
Bald erreiche ich den Eggeturm, einen hölzernen Aussichtsturm mit überwältigender Aussicht nach Westen und Osten. Das Eggegebirge zieht sich nämlich von Nord nach Süd und ich befinde mich oben auf dem Grat und der gar nicht so hohe Eggeturm auch.
Auf dem Turm störe ich ein etwa 16 Jahre altes Pärchen, das ganz außerordentlich schlecht vor mir verheimlicht, dass es etwas in das Holz des Turmes ritzen will. Ein Herz, ein Datum, zwei Initialien, forever, nehme ich an. Ich hab’s nicht überprüft.

Ab hier geht der Weg unspektakulär aber entspannend für die Beine geradeaus auf dem Grat nach Süden. Keine Aussichten, keine Besonderheiten. Nur immer gerade. An Gedenksteinen vorbei.

Bei Altenbeken fällt mir auf, dass meine Wasserflasche leer ist und ich heute an keinem Wasserhahn mehr vorbeikommen werde, wenn ich keinen Umweg laufe. Nach Osten vom Berg herunter geht es nach Bad Driburg, nach Westen geht es nach Altenbeken, für das ich mich dann auch entscheide. Ich verstecke meinen Rucksack im Wald und gehe runter und habe Glück. Gleich am ersten Haus wird meine Flasche wieder aufgefüllt und ich kann direkt umdrehen, dennoch kostet mich der Umweg etwas mehr als eine Stunde.

Die Dämmerung hat inzwischen eingesetzt und ich finde einen Schlafplatz nachdem noch ein riesiges Waldarbeiter-Fahrzeug an mir vorbeidonnert. Unter ein paar Fichten schlafe ich wohl.