11. Oktober - Jahrmarkt in Odenheim

11. Oktober - Jahrmarkt in Odenheim

11. Oktober - Jahrmarkt in Odenheim

Apropos Weinfest. Seit gestern bin ich zum ersten mal in einer Weingegend. Nach dem Aufstehen komme ich nach wenigen Kilometern durch Östringen und die dahinter liegenden Weinkulturen. Danach geht es weiter durch die Wälder bis zum zweiten Siegfriedsbrunnen meiner Reise. Odenheim wird in Version C des Nibelungenliedes ausdrücklich als Ort, an dem Siegfried von Hagen von Tronje umgebracht wird, erwähnt, lerne ich heute mehrfach.

Am Brunnen angekommen treffe ich drei Damen und zwei Herren, die ganz begeistert sind von meiner Reise. Ob ich schon viel abgenommen hätte, fragt mich eine der Damen und es ist nicht das erste Mal auf dieser Reise, dass ein füllige ältere Dame mich das fragt. Schade, wenn man immer über so etwas nachdenken muss.
Aber die Herrschaften sind äußerst nett und zuvorkommend und erkundigen sich nach meinen vergangenen Stationen und dem Zustand der Welt zwischen hier und Hamburg, wünschen mir viel Erfolg und Glück mit dem Wetter und ich gehe weiter bis Odenheim, wo heute Jahrmarkt ist. Für mich gibt es gebrannte Mandeln und Pfefferbeißer und ich beschließe etwas Ordentliches essen zu gehen, immerhin habe ich gestern Geld gespart, indem ich nicht gefeiert habe.

Im Wirtshaus werde ich an einen Tisch mit älteren Herrschaften gesetzt, die hier gerade ihren “Zugezogenen-Stammtisch” hatten, den sie einmal im Jahr mit allen Zugezogenen des Dorfes abhalten, egal ob von den Philippinen oder aus dem Nachbardorf.
Ich bin sofort Gesprächsthema in dem ganzen Laden und werde von Tisch zu Tisch gereicht, muss viele Fragen beantworten und mich freuen, wenn sich die Damen Sorgen machen, denn es wäre fast so gut, wie wenn sich meine Mutter um mich sorgt. Merkwürdig. Aber wahnsinnig freundlich und liebevoll.

Ein älterer Herr erzählt mir wie er als junger Mann alleine mit dem Auto durch den Balkan, die Türkei und einmal durch Marokko fuhr und dabei aus Versehen Kobras auf der Rückbank mitnahm. Ein anderer erzählt mir, wie er den Jakobsweg lief. Ein weiterer will mich ein Stück mitnehmen, falls ich Auto fahren möchte. Die Stimmung ist gut, das Essen später auch. Was für ein nettes Örtchen.

Beim Rauswandern werde ich wieder angesprochen von einer Familie. Und zwar wiederum sehr freundlich, respekt- und liebevoll. Es scheint hier einfach üblich zu sein. Und man wünscht mir abermals eine gute Reise.

Ich komme heute noch durch Münzesheim, muss an einer Bahnstrecke entlang marschieren, komme dann durchs malerische Gochsheim und finde zuletzt nur einen Schlafplatz an einer Kreuzung von ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke und Bundesstraße. Ich schlafe trotzdem gut, auch wenn es etwas kühl wird heute Nacht.