10. Oktober - kein Weinfest in Rauenberg

10. Oktober - kein Weinfest in Rauenberg

10. Oktober - kein Weinfest in Rauenberg

In Ziegelhausen treffen sich die Europäischen Fernwanderwege E1 und E8 direkt am Neckar, der hier wirklich besonders schön durchs Tal fließt.

Was ich gestern Abend runter musste, muss ich heute Morgen wieder rauf – auf der anderen Seite des Tales. Nur ist es jetzt steiler, dafür schneller. Steil rauf schaffen meine Knie auch besser als steil runter. Oben angelangt mache ich eine kleine Pause, telefoniere mit meiner Mutter und mache mich dann weiter auf durch den schönen Wald bis Gaiberg, wo ich in einem hervorragenden Café Tee und Frikadellenbrötchen bekomme. Die Familie vom Nachbartisch erzählt mir wie sie mal ihr Handy auf dem Autodach haben liegen lassen, wie es dann weg war und wie sie es durch Google-Ortung wiederfinden konnten. Ich soll das bitte auch einstellen, dann finde ich es immer wieder. Sie flehen fast darum.

Am Ortsausgang von Gaiberg steht ein Gästebuch für E1-Wanderer. Gaile Idee, denke ich und trage mich ein, finde auch einen Eintrag von Lukas und einen von André, die ich beide schon auf meiner Reise getroffen hatte. Ein schönes Büchlein, in dem ich bestimmt 20 Minuten lang schmökere.

Auf dem weiteren Weg streife ich Gauangelloch, das ausschließlich wegen seines Namens erwähnt werden muss, ich komme vorbei an einer riesigen Gänsefarm – freilaufende Gänse, ja, aber sicher nicht artgerecht und ziehe weiter durch die schönen Weiten des Odenwaldes bis Rauenberg. Eigentlich wollte ich mich bereits vor Rauenberg in den Wald legen, der war jedoch denkbar ungeeignet und ich telefoniere mit ein paar Herbergen, ob nicht doch irgendwo ein Bett frei wäre. Manche Telefonpartner lachen mich fast aus und als ich in Rauenberg ankomme verstehe ich warum. Die Stadt ist voll von Touristen. Ein großes Weinfest wird gefeiert. Und ich hätte verdammt Lust mitzufeiern. Aber ohne Schlafplatz… ein Risiko! Und die Füße schmerzen. Und wohin mit dem Gepäck? Kurz überlege ich meine Zelt in einer Hecke in der Nähe der Stadt aufzubauen, aber latsche dann doch einfach weiter. Ich schaue mir das Fest nicht einmal an. Ich gehe einfach. Ohne Schmerz. So ist das Leben eben manchmal. Ich muss noch durch die Ortschaften Rotenberg und Mühlhausen, wo eine sehr, sehr große türkische Hochzeit gefeiert wird (noch ein Grund für fehlende Schlafplätze) und finde dann auch gleich nach Mühlhausen ein gutes, recht trockenes Plätzchen für mein Zelt im Buchenwald.

Beim Aufbau meines Zeltes schafft es eigentlich immer eine große Spinne in mein Zelt zu kommen. Heute Abend sind es sechs, vier fange ich noch am Abend, zwei erst am nächsten Morgen.