7. September – beim echten Rattenfänger

7. September – beim echten Rattenfänger

7. September – beim echten Rattenfänger

Hameln ist schön. Ich mache einen Tag Pause. In Hameln war ich auch schon einmal. Das ist ein paar Jahre her und bildete damals das Ende einer dreitägigen Wanderung an der Weser entlang – von Süden kommend – mit zwei Freunden. Mein Rucksack war damals auch schon dabei. Wir hatten zu seiner Zeit etwa vier Stunden Zeit und wir fuhren danach mit der Bahn nach Hause. Heute geh ich in ein Internetcafé um meinen Blog zu füllen und finde tatsächlich gute Windows 7 Rechner mit aktueller Anti-Virus-Software und aktuellem Browser etc. und allein das lässt mich über das etwas langsame Internet hinweg blicken. Ich brauche etwa drei Stunden und kaufe danach zum ersten Mal auf dieser Reise Postkarten und lasse mich beim Schreiben in einem Café nieder am Marktplatz und trinke Tee. Danach geht’s zum Einkaufen in den Outdoorladen: Regenjacke, Rucksackschutz (den ich am nächsten Tag verlieren werde) und Packriemen. Nach 10 Minuten bin ich zufrieden mit 120 € weniger in der Tasche. Guter Laden.

Nun bin ich etwas unsicher was ich mit dem restlichen Tag anfangen soll. Vielleicht einfach nichts…?
Ich schlendre durch Hameln, gehe noch einkaufen und esse Fleischkäse mit süßem Senf. Am Abend bin ich mit meiner ersten Couchsurf-Erfahrung verabredet. Aber bis dahin ist noch viel Zeit. Ich schlendere.

Gegen 18 Uhr gehe ich in eine Kneipe auf dem Weg, die ohne andere Gäste auskommt. Dort arbeitet Dominik. Er ist 22 Jahre alt und macht gerade seine Ausbildung: Gastgewerbe: Gastro und Hotel. Er würde gern aufs Kreuzfahrtschiff. Nicht so ein großes. Aber aufs Meer und quasi nebenbei reisen. Seine Freundin wird das nicht mögen, sagt er, aber es wird schon gehen. Und wenn er dann Geld verdient und nicht mehr in dem Zimmer über der Kneipe wohnt, dann wird er sich noch ein paar Tätowierungen anschaffen. Das tut nämlich gar nicht so weh wie er dachte. Als bis zuletzt kein weiterer Gast kommt hätte er gern noch mit mir eine Runde Dart gespielt, aber die Zeit verflog schnell bei unserem Gespräch und ich muss los: Zur Couchsurf-Familie.

Ein Klavierstimmer, der einer der beiden offiziellen Rattenfängern von Hameln ist und eine Lehrerin, die nebenbei noch allerlei ehrenamtliche Projekte stemmt und zwei der vier blonden Kinder empfangen mich herzlichst. Ich bekomme ein schnell improvisiertes Abendbrot und ein eigenes Zimmer.
Wir haben schöne Gesprächsthemen. Die Familie hat z. B. vor einigen Jahren in Ecuador gelebt und es stellt sich heraus, dass sie quasi Nachbarn von Mauricio und Rebecca Wilds Schule waren. Diese Schule ist in der Schulgründerszene, zu der ich ja auch zähle, legendär.
Außerdem erwartet mich überraschend mein erstes geologisches Ereignis. Immerhin bin ich Diplom-Geologe. Die beiden Eltern brachten gerade aus diesem Sommer wunderschöne Fossilien aus Lyme Regis aus England mit nach Deutschland und ich kann vieles erzählen und im Stein direkt zeigen und erklären. Ich schlafe gut.