6. September – humorvoll nach Hameln

6. September – humorvoll nach Hameln

6. September – humorvoll nach Hameln

Am Frühstückstisch lerne ich heute eine Familie aus Essen kennen. Mutter und Tochter besuchen ihren Mann und Vater, der hier in einer Reha-Klinik untergebracht ist. “Krebs hat er gehabt. Kehlkopf und dann im ganzen Hals bis obenhin. Hamse ihm alles rausgenommen.” Er selbst ist auch da. Unerwartet lebensfroh quatscht er mit mir über meine Pläne, mit einem Sprechimplantat, das er drücken muss um reden zu können. Er ist überzeugt, dass ich das richtige mache mit meiner Reise. Wir verabschieden uns und ich ziehe los.

Zwischen mir und Hameln liegt der Süntel. Der Süntel ist geologisch sehr interessant, gibt es hier z. B. Tropfsteinhöhlen. Aber die liegen nicht auf meinem Weg und ich muss mich etwas beeilen.

Ich muss auf die Hohe Egge, den höchsten Gipfel des Süntels. Dort oben steht auch der Süntelturm, den ich auf Grund des abermals schlechten Wetters nicht besteige. Aber auf der dazu gehörigen Hütte gibt es Kuchen und Tee und – da Sonntag ist – ist viel los hier um die Mittagszeit. Vier Männer der Naturfreunde sitzen am Nachbartisch und feixen mit jedem, der herein kommt. Einer von ihnen errät meine Pläne fast richtig und ist fasziniert. Er selbst ist schon alle Etappen des E1 in Deutschland, der Schweiz und in Dänemark gelaufen. Aber Fischbeker Heide bis Bodensee “in einem Zug!” Alle vier Männer nicken anerkennend, loben mein Gepäck und wollen wissen was es wiegt. Als ich dann sage, dass ich das nicht weiß und einfach eingepackt habe was ich brauche, lachen sie und loben meinen Humor, den ich gar nicht angewandt hatte. Nun gut.

Den ersten Regen hatte ich in der Hütte vorüber gehen lassen. Weiter geht’s Richtung Hameln. Der Weg ist schlecht ausgeschildert. Man sieht zwar, dass sich Mühe gegeben worden ist, aber ich renne oft in die falsche Richtung und kann erst spät korrigieren. Vielleicht bin ich heute auch einfach besonders unaufmerksam.

Es regnet häufig. In Unsen mache ich Rast in einer Bushaltestelle. Der Rest des Weges zieht sich. Es ist windig geworden und schauert immer wieder. In Hameln selbst dann verlaufe ich mich hin und wieder, esse einen ausgesprochen schlechten Pomm-Döner und komme recht geschafft in der Jugenherberge um 18 Uhr an. Ein leeres Gruppenzimmer mit Weserblick erwartet mich. Und Jugendherbergs-Muff aus 100 Jahren.