4. September - Moinäquator bis Bad Nenndorf

4. September - Moinäquator bis Bad Nenndorf

4. September - Moinäquator bis Bad Nenndorf

Es weckt mich ein Regenschauer.

Am Morgen wird klar, dass die Bauten von Kindern bzw. Pfadfindern oder Waldjugend gebaut wurden. Ich packe schnell zusammen, da man mich vom Weg aus sehr gut sehen kann. Im Dunklen dachte ich ein besonders gutes Versteck im Wald gefunden zu haben. Ich bin etwas müde und antriebslos.

In Mesmerode ist man der Abraumhalde des Kalibergwerkes Bokeloh sehr nah. Es ist beeindruckend.

In Idensen mache ich ein lange Pause auf dem außerhalb des Ortes gelegenen Grill- und Osterfeuerplatz und bin immer noch irgendwie antriebslos. Ein älterer Mann mit Fahrradhelm schaut nach dem rechten. Als ich ihn anspreche fährt er lieber schnell wieder weg. Eine Reiterin ohne jeden Sattel kommt vorbei und grüßt.

Ich gehe weiter zum Mittellandkanal und werde kurz vor der Überquerung zum letzten Mal auf dieser Reise von einem älteren, einheimischen Pärchen mit “Moin” begrüßt. Hier ist offensichtlich der Moin-Äquator, die Moin-Grenze. Sicher gibt es Orte, vor allem Studentenstädtchen, die weiter im Süden liegen, wo “Moin” neu eingeführt worden ist, wie z. B. in Marburg (ja, es hat mich auch sehr erstaunt), aber hier am Mittellandkanal scheint eine natürliche Grenze des Grußes zu sein.
Wann werde ich wohl zum ersten Mal mit “Grüß Gott” begrüßt werden?

Der östliche Hater Wald macht den Eindruck, als ob ihn niemals mehr jemand betritt. Und doch finde ich hin und wieder eine Fußspur. Die muss vom Förster sein. Oder einem anderen verrückten E1-Läufer.

Läuft man auf dem E1 nach Bad Nennberg, dann kommt auf einmal ein Berg. Der allererste auf dieser Reise. Und schaut man von diesem nach Norden, dann merkt man, dass es tatsächlich der allererste Berg nach der norddeutschen Ebene ist. Zumindest auf diesem Längengrad. Man hat das Gefühl bis Hamburg sehen zu können.

In Bad Nenndorf geht es in die wunderschöne Pension Charlotte. Und dann gleich in die Therme für zwei Stunden. Hinterher fühle ich mich wie neu geboren.
In der Therme sind viele Rentner und viele von diesen schauen sehr argwönisch auf die wenigen spielenden Kinder. Sie mögen sie nicht. “Schon lange her, dass Sie selbst jung, wild und glücklich waren”, kichere ich in mich hinein, grinse breit und bespritze die Kinder mit Wasser.