3. Oktober - rüber übern Feldberg

3. Oktober - rüber übern Feldberg

3. Oktober - rüber übern Feldberg

In Idstein brauche ich zweierlei dringend: WLAN und Strom für mein Telefon. Mit Sicherheit bietet mir das McDonalds, mit ihrem ekelhaften Frühstücksangebot. Es gibt aber auch Orangensaft und Tee. Dort verbringe ich über eine Stunde und esse danach ein dickes Frikadellenbrötchen (haha) beim ortsansässigen Bäcker.

Idstein ist schön, aber es hält mich nichts und ich muss dringend weiter.
An einem Waldparkplatz steigen vor mir zwei ältere Herrschaften aus einem Auto aus und gehen genau auf meinen Weg. Wenn die beiden hier extra rauf fahren, denke ich, müsste das erstens heißen, dass der Weg schön ist und zweitens, das er leicht zu laufen ist. Ich behalte Recht.

Heute ist der Tag der Deutschen Einheit, schönstes Wetter und ganz Deutschland treibt sich in den Wäldern rum. Ich sehe viele Wanderer, noch mehr Mountainbiker, Pfadfinder beim Postenlauf. Eine Gruppe Wanderer kriegt sich gar nicht mehr ein, als ich erzähle, dass ich zu Fuß aus Hamburg hier bin. “Die Schuhe sind aber nicht gut gepolstert, oder?”

In Schloßborn bekomme ich neues Wasser, in Glashütten mache ich kurze Pause. Man kommt an spätmittelalterlichen Glasöfen vorbei (Glashütten!) und dann geht’s rauf. Steil rauf Richtung Feldberg. Auf halber Strecke (Kleiner Feldberg) kann man ein altes Römerkastell besichtigen, dessen Grundmauern hier rekonstruiert wurden.

Dann geht’s weiter rauf, an der Feldbergquelle vorbei, rauf, rauf, rauf zum Feldberg. Dort ist heute die Hölle los. Der Feldberg ist selbstverständlich mit einer Straße angeschlossen, sodass sich hier halb Deutschland tummelt. Biker, Familien, Pärchen. Alle wollen den schönen Blick genießen, den dieses Wetter bereit hält. Sie lassen Drachen steigen und sitzen gemeinsam auf dem Affenfelsen. Sie essen Schnitzel und Bratwurst, ein Trompetenspieler nervt mit “Amazing Grace” und anderen Neoklassikern, man macht Selfies am Gipfelkreuz. Ein Volksfest, das für mich nach dem langen Fußaufstieg mit 20 Kilo auf dem Rücken wie aus dem Nichts auftaucht. Ich lache, drehe eine Runde und will dann doch lieber schnell weg, auch wenn der Ausblick atemberaubend schön ist und man das Gefühl hat bis Hamburg gucken zu können. Es geht gegen Abend und nun begegne ich wirklich nur noch wenigen Menschen.

Es geht rasch nach unten und dann doch noch einmal rauf auf den Altkönig, der mit Abstand interessantere und schönere Gipfel. Kurz zuvor treffe ich einen Wanderer mit seinen zwei Kindern, die offensichtlich hier heimlich übernachten, sprich zelten wollen. Hier ist Naturschutzgebiet. Ich lasse mir lieber nicht anmerken, dass ich verstehe, was sie vorhaben und gehe meines Weges über zwei alte keltische Ringwälle herüber. Der Blick beim Abstieg vom Altkönig geht Richtung Frankfurt. Ganz tief da unten irgendwo stehen die Wolkenkratzer, weit unter mir und sehen aus wie Spielzeug. Hier könnte ich lange stehen und schauen, aber ich muss weiter. Ich will das Naturschutzgebiet verlassen und selbstverständlich außerhalb mein Zelt aufstellen. Etwa hundert Meter dahinter finde ich bereits eine schöne Stelle. Heute Nacht ist es ruhig. Ganz still. Keine Straße, keine Windräder, keine Rehe, Hirsche oder Wildschweine. Ich schlafe tief und gut.