1. Oktober – König von Schönborn

1. Oktober – König von Schönborn

1. Oktober – König von Schönborn

Mein Sprint von gestern rächt sich: Mir tut alles weh. Ich lasse mir Zeit am Morgen, gehe noch in ein Café und schreibe etwas. Danach noch kurz einkaufen, sodass ich erst um viertel vor 12 loskomme. Heute geht es fast den ganzen Tag immer an der Lahn lang. Das ist allerdings ganz etwas anderes als würde man sagen “immer an der Weser lang”. Die Lahn hat sich hier tief in den Fels gefressen. Das Tal ist schmal und tief und der Weg entlang der Lahn ist mal auf Lahnhöhe, mal hundert Meter darüber, mal irgendwas dazwischen, rauf und runter, zum Teil sehr steil. Diese bisher härteste Teilstrecke meines Weges bietet dafür wunderbare Landschaft und herrliche Ausblicke. Es ist wirklich sehr schön. Aber wieder ein Tag, an dem ich bei klarstem Sonnenschein fast ausschließlich im Schatten laufe. Ich bin auf der Südseite der Lahn und sowohl Bewuchs als auch der Berg selbst werfen ihre Schatten auf mich kleinen Wanderer. Ins Schwitzen komme ich trotzdem.

Als ich die Lahn in Sichtweite der Schaumburg verlasse, wird der Weg etwas leichter. Ich will noch bis hinter Schönborn kommen und mir dort einen Platz zum Schlafen suchen. Ich werde langsam.

Es wird dunkel. Direkt hinter Schönborn sind die Wälder aus wenigen uralten Buchen und Eichen gemacht, die in ihren Zwischenräumen viel Platz für mein Zelt bieten. Nachts wache ich auf, weil mir zu warm (!) ist. Ich hatte mir eine Möglichkeit einfallen lassen wie Jacke und Pullover beim Wärmen helfen können und sie nehmen ihren Job ernst.
Gerade jetzt trainiert der König des Schönborner Waldes und prescht ächzend im Schweinsgalopp direkt an meinem Zelt vorbei. Mir bleibt kurz der Atem weg. Als wäre ein Zug an mir vorbei gefahren. Das Ding war größer als mein ganzes Zelt.

Nun ist es wieder still.